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Michael Chabon: Schurken der Landstrasse

Michael Chabon:
Schurken der Landstrasse

Kiepenheuer & Witsch, 2010

 

Ein Abenteuerroman in klassischem Gewand und doch ein echter Chabon
Michael Chabon taucht in diesem Abenteuerroman klassischer Provenienz tief ein in die Kaukasusregion des 10. Jahrhunderts und schafft mit Zelikman und Amram zwei liebenswerte, lebenskluge Schurken, die dem Sohn des ermordeten Königs helfen sollen, den rechtmäßigen Nachfolger auf den Thron zu bringen.Sie sind ein seltsames Paar – der blasse, spinnenbeinige Zelikman, ein wortkarger fränkischer Jude auf Wanderschaft, sowie Amram, der afrikanisch-jüdische Riese, dessen scharfe Zunge ähnlich verletzen kann wie seine Streitaxt. Brüder im Geiste und Kameraden, so ziehen sie um das Jahr 950 durch die kaukasischen Berge und tun das, wonach ihnen gerade ist. Auftragsdiebstahl, Trickbetrügerei oder sonstige Übeltaten – dem ungleichen Paar scheint nichts fremd. Gleichwohl kommen sie an ihre Grenzen, als sie gezwungen werden, Eskorte und Aufpasser des Prinzen der Chasaren zu werden. Sein Vater, der Bek, wurde von seinem brutalen Bruder vom Thron gestoßen, und der unreife, übellaunige Junge will nur eins: Seinen Vater rächen und den rechtmäßigen Thronfolger auf seinem Platz sehen. Helfen könnte der Kagan, das gottgleiche Oberhaupt, der auf einer Insel der Wolga lebt und nie einen Untertan zu Gesicht bekommt. Oder soll eine Armee gegen den Usurpator zu Felde ziehen? Voll Spannung verfolgt man die Handlung rund um Zelikman und Amram und bewundert Chabons Kenntnisreichtum, Humor, Fantasie und Sprachgewalt.

 

Rezensionen

 

„Tatsächlich liest man aus jeder Zeile seine Liebe zur klassischen Abenteuer- und Fantasy-Literatur – nur dass Chabon seine schrillen Schwert- und Degen-Scharmützel mit der blumigen (von Andrea Fischer kongenial eingedeutschten) Sprache des orientalischen Geschichtenerzählers ausschmückt.“

Jens Balzer, Berliner Zeitung, 15.6.10

 

„… jetzt liegt sein wunderbar durchgeknallter, postmodern gebrochener Abenteuerroman um zwei jüdische Halsabschneider, die im mystischen Jahr 950 irgendwo am Kaspischen Meer ihr Unwesen treiben, in einer kongenialen Übersetzung von Andrea Fischer vor.“

Michaela Adick, Heilbronner Stimme, 10.7.10