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Mary Kay Andrews: Kein Sommer ohne Liebe

Mary Kay Andrews:
Kein Sommer ohne Liebe

Fischer TB, 2016

Der neue wunderbare Sommerroman von Top-5-Bestseller-Autorin Mary Kay Andrews, der Garantin für die perfekte Urlaubslektüre:
Liebe, Sonne und ein Dorf unter Palmen – an Floridas Golfküste ist Greer auf der Suche nach dem schönsten Strand für einen Kinofilm. Vielleicht findet sie dabei auch die große Liebe?

Greer ist Location-Scout. Sie ist immer auf der Suche nach den besten Drehorten für die großen Kinofilme und sieht die schönsten Flecken dieser Welt, ein echter Traumberuf. Wäre da nicht ihr letzter Auftrag gewesen, bei dem eine ganze Plantage von der Filmcrew zerstört wurde – und Greer als die Schuldige abgestempelt wurde. Jetzt hat sie noch eine letzte Chance, um weiter im Geschäft zu bleiben: Für einen wichtigen Produzenten soll sie den perfekten Drehort finden.

Nach einer endlosen Suche stößt Greer auf Cypress Key, das wohl letzte urige Fischerdorf an der Golfküste Floridas. Hier hat alles noch seinen ursprünglichen Charme – und das gilt leider auch für den umweltbewussten, aber durchaus attraktiven Bürgermeister Eden. Der ist nämlich alles andere als begeistert von der Idee, dass eine riesige Filmcrew sein geliebtes Städtchen bevölkert und verschmutzt. Während die beiden noch streiten, merkt Greer, dass sie vielleicht gerade ihr Herz verliert …

auch als E-Book erhältlich

 

Leseprobe

Greer Hennessy brauchte Palmen. Grüne Palmwedel in Technicolor, die sich im Luftzug der Windmaschine wiegten, unterlegt vom Dolby-Surround-Geräusch heranrollender Wellen. Eine Totale von einem sonnengeküssten Strand sollte doch wohl kein Problem sein – schließlich war sie in Florida!

Doch die einzigen Bäume, die sie durch die insektenverklebte Windschutzscheibe ihres gemieteten Autos sehen konnte, waren spindeldürre Kiefern und Palmettopalmen, die sich endlos am Straßenrand entlang zogen.

Drei Tage zuvor war Greer in Panama City, Florida, gelandet. Vor ihrem Abflug hatte sie sich zu Hause in L. A. auf der Website der Film-und-Fernseh-Kommission von Florida umgesehen, wo es Fotos aller erdenklichen Landschaften des Bundesstaates gab, angefangen bei dem sich dunkelbraun durch den Norden windenden Susanne River über die grünen Weiden der Pferdefarmen von Ocala bis zu den Conch Houses und Bananenstauden der Florida Kays.

Am ersten Tag ihrer Erkundungsreise hatte Greer nur einen kurzen Blick auf die in den Himmel ragenden Hotels und Apartmentblocks am Strand von Panama City geworfen und war schnell auf der US98 nach Westen gefahren, dann weiter auf der 30A. Palmen hatte sie durchaus gesehen, doch sie standen in künstlich angelegten Küstenorten mit so klangvollen Namen wie Sunnyside, Rosemary Beach und Watercolor, die von Geld und Wohlstand kündeten; die farbenfrohen Häuser meinte man aus Hochglanzmagazinen zu kennen.

Das alles war wirklich hübsch. Aber verschlafen wirkte es nicht. Die Uferstraßen waren mit BMWs und fetten SUVs verstopft, entlang der Highways drängten sich Einkaufszentren, Supermärkte und Shoppingmalls.

Der Golf von Mexiko, jedenfalls das, was Greer davon sehen konnte, war durchaus schön, türkisgrün wie aus dem Bilderbuch, davor als Kontrast der weiße Sand. Perfekt für eine Werbebroschüre des Tourismusverbandes, aber alles andere als der urige Fischerort, den Greer suchte.

In der überteuerten Wohnanlage in Destin, wo sie die zweite Nacht verbracht hatte, erkundigte sie sich, wie die Orte in der Umgebung aussähen. Greer sprach nur dann über ihren Job oder ihren Auftrag, wenn es nicht zu vermeiden war.

»Ich suche etwas Ruhiges«, hatte sie der Kellnerin in einem auf Retro gestylten Restaurant namens Eggs’n’Joe lediglich gesagt. »Vielleicht ein Ort mit einem altmodischen Familienmotel. Und Fischerbooten.«

»Mexico Beach«, sagte die Kellnerin und kassierte vierzehn Dollar für einen Bagel.

Aber Mexico Beach war es nicht.

Als Nächstes fuhr Greer nach Apalachicola: Krabbenboote und Austernfischer, so weit das Auge reichte. Sie stellte den Wagen ab, sah sich die trubelige Marina an, die sogar einen eigenen Pier hatte, und machte Fotos mit dem Handy.

Nicht das, was ich mir vorstelle, simste Bryce Levy zurück.

Greer stieg wieder in ihren Wagen und fuhr auf der Küstenautobahn gen Osten.

Große Hoffnung setzte sie auf eine Insel namens Saint George Island. Dort gab es eine Gemischtwarenhandlung, ein paar Motels und den einen oder anderen T-Shirt-Laden. Die Straßen waren sandig, große mehrstöckige Häuser bildeten die Kulisse für Strandhafer und Dünen.

Greer fotografierte den Strand, eins der Motels und den Eingang zum Nationalpark, dann mailte sie die Bilder dem Produzenten beziehungsweise Regisseur. Kurz drauf piepte ihr Handy.

Seine Antwort lautete: Nein.

Greer dachte zurück an ihre Besprechung mit Bryce Levy, dem neusten Wunderkind von Hollywood.

Er war seit Kurzem mit ihrer besten Freundin CeeJay zusammen, und irgendwie hatte die ihn überzeugen können, dass Greer die einzige Locationscoutin und -managerin war, die genug Erfahrung für Bryce’ nächstes großes Filmprojekt besaß.

Und das, obwohl Greers letzter Job öffentlichkeitswirksam in Flammen aufgegangen war – mit einem Prozess, Schuldzuweisungen und einem beinahe tödlichen Knick in ihrer bis dahin steilen Karriere.

CeeJay selbst hatte Greer vor zwei Wochen zu dem Meeting mit Bryce gefahren. Auf sein Drängen hin musste es unter absoluter Geheimhaltung in seiner gemieteten Villa in Brentwood stattfinden.

Der Produzent war anders, als Greer erwartet hatte. Normalerweise stand CeeJay auf bettelarme junge Künstler, die schwarzes Leder und Körperpiercings trugen.

Bryce Levy war das komplette Gegenteil. Zum einen war er deutlich älter als CeeJays bisherige Partner. Er war lässig gekleidet in einem offenen weißen Oberhemd, dessen Ärmel er hochgekrempelt hatte, so dass man seine kräftigen Unterarme sah. Er hatte eine hohe Stirn und volles, drahtiges blondes Haar. Eine

Brille mit dünnem Gestell ruhte auf seiner fleischigen Nase. Bryce hatte ausdrucksstarke blaue Augen und lachte lauthals über etwas, das sein Gesprächspartner am Telefon sagte. Greer schätzte ihn auf Ende vierzig, Anfang fünfzig. Abgesehen von der Nase, die mehrmals gebrochen zu sein schien, sah er selbst wie ein Filmstar aus.

»Was wir planen, ist ein ausgesprochen ambitionierter Film«, erklärte er und lehnte sich auf dem Stuhl zurück. »Action, ein bisschen Romantik, dazu Thriller-Elemente. Ich habe zwei top Schauspieler unter Vertrag. Adelyn Davis kennt natürlich jeder. Aber ihr Partner – das ist der absolute Hammer! Es ist sein erster Film, aber der wird an den Kassen nur so abräumen, das kannst du mir glauben.«

»Du flippst aus, wenn du den Namen hörst.« CeeJays Augenbrauen hüpften vor Aufregung.